Wir leben in einer Zeit, in der oft die Verpackung wichtiger als der Inhalt scheint: Jeder einfache Schokoriegel wird durch Werbung zum exklusiven Geschmacksevent, der Hausmeister bekommt statt einer Lohnerhöhung exklusiv den Titel Facilitymanager und die Liebe hüpft nicht mehr wie früher mit Amors zufälligem Pfeil, sondern maßgeschneidert und algorithmenbasiert über Tinder und Parship in unser Leben.Der deutsche Heinz Günter verpackt sich im Frankreichurlaub plötzlich in Ringelshirt und Baskenmütze und wundert sich, dass er trotz Baguette unter beiden Armen nicht als Jean Pierre gesehen wird…Verpackung ist eben nicht alles.
Lucy van Kuhl verpackt ihre Erkenntnisse in ihrem fünften Programm auch äußerst geschickt:
Aberwitzige Betrachtungen werden in sanfte Klavierklänge gehüllt, winzigkleine Randbeobachtungen mit dem großen poetischen Vergrößerungsglas versehen und die Tristesse eines Altersheim verwandelt sich durch einen Mantel aus Fantasie plötzlich in eine mitreißende Ü80-Party. Zarte Melancholie trifft auf krachenden Unfug, klassisches Klavier auf Boogie Woogie, und wenn Sie glauben, dass sowas nicht miteinander harmoniert – Lucys überbordende Fantasie ist ein starkes leuchtendes Geschenkband, mit dem sie all das spielend leicht zusammenhält und – sehr geschickt verpackt.
Die „ES-CHORD-BAND“:
Lorenzo Riessler, Schlagzeug
Lorenzo Riessler wurde in Florenz geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Köln, Freiburg und Florenz. Dann zog es ihn nach London, wo er 2019 seinen Masterabschluss am „London College of Music“ mit Bestnote machte. Er ist mit seiner Band „Lorenzo Riessler Ensemble“ international unterwegs und spielt außerdem mit allerhand Jazz-Größen (u.a. Howard Levy, Jean-Louis Matinier, Michael Riessler, Pierre Charial).
Nenad Uskokovic, Violoncello
Nenad Uskokovic ist ein musikalischer Tausendsassa. Er wurde in Belgrad geboren, studierte in Detmold und erhielt ein Stipendium in Ulm. Nach zahlreichen internationalen Preisen im klassischen Bereich begann er, sich mit allen möglichen Musikstilen auseinanderzusetzen. So tourt er in verschiedenen Ensembles durch die Welt, als Solist, im Duo oder in Kammerorchestern. Seit er in Konstantin Weckers „Weltenbrand-Orchester“ mitspielt, begeistert er sich auch für deutsche Lieder. So kam die Zusammenarbeit mit Lucy van Kuhl zustande.
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„Irre sind menschlich“
Schon beim morgendlichen Blick in die Zeitung schleicht sich das Gefühl ein, als sei man der einzige Normalbürger in einer zunehmend wirren Welt. Ein kurzer Plausch mit dem Nachbarn lässt diese Vermutung jedoch rasch verfliegen – plötzlich scheint man selbst Teil des kollektiven Wahnsinns zu sein.
Die Gegenwart präsentiert uns ein Panorama aus extremistischen Radikalen, die die Demokratie untergraben, profitorientierten Unternehmen, die die Umwelt ausbeuten, und den Kandidaten von „Bauer sucht Frau“, deren Handlungen kaum noch einer rationalen Logik folgen. Das Internet hat sich zu einem Terrain entwickelt, auf dem sich vornehmlich Personen tummeln, die selbst Hannibal Lecter noch als höflichen Herrn mit fragwürdigen kulinarischen Vorlieben erscheinen lassen. Hetzer, Verschwörungstheoretiker und Wissenschaftsleugner dominieren die Debatte, und man sehnt sich nach jenen Tagen zurück, an denen man solche Figuren mühelos dem wandernden Zirkus überlassen konnte.
Dabei drängen sich unausweichliche Fragen auf: Ist die Welt ein einziges Irrenhaus? Warum befinde ich mich darin? Und was kann ich dagegen tun? Der Rat, „wie Lothar Matthäus den Sand in den Kopf zu stecken“, klingt ebenso absurd wie die Vorstellung, einfach zu fliehen – doch wohin? Selbst im entlegensten Winkel des Amazonas könnte man einer deutschen Reisegruppe aus pensionierten Oberstudienräten begegnen, und selbst auf dem Mars wäre man nicht sicher, weil dort Elon Musk möglicherweise schon auf einen wartet.
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Die guten alten Zeiten sind jetzt
Kabarett, Lesung und Musik mit ihrem aktuellen Programm
Isabel Varell – Sängerin, Fernsehmoderatorin, Schauspielerin, Musicaldarstellerin und Autorin – lässt sich kaum in eine Schublade pressen. Sie ist schlichtweg eine Lebenskünstlerin. Ihr Name besteht aus drei „L“ (…und wer an die drei „E“ denkt, erkennt sofort die Worte Lebenslust, Leidenschaft und Liebe). Genau diese Themen stehen im Zentrum ihres neuen Bühnenprogramms.
Mit einer charmanten, einnehmenden und humorvoll‑augenschlagenden Art erzählt und singt Varell höchst persönlich vom Leben, von Menschen und von der Liebe – von Höhenflügen ebenso wie von tiefen Tälern. Sie spricht davon, Schmerz loszulassen, Scheitern als Chance zu begreifen und jede Herausforderung – selbst das Älterwerden – mutig anzunehmen. In früheren Tagen sah sie sich selbst als Ameise, die die Phasen des Lebens kennt, jedoch ohne süßen Trost, sondern mit klarer Härte.
Mit unerschütterlicher Zuversicht berichtet sie von einer kleinen Bar in der Rue Lamarck in Paris und ihren Gästen, von einsamen Momenten am Ballermann und vom begleitenden Trinken. An diesem Abend teilt Varell ihr Rezept für ein erfülltes Leben – ganz ohne ärztlichen Vorlauf: etwa, wie man drei Kilogramm Angst abschüttelt, und welche zehn Gebote sie für ein glückliches Älterwerden aufgestellt hat.
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Der Sitzungspräsident – Filmriss
Redaktionell überarbeitete Fassung
Im zweiten Solo‑Programm von Volker Weininger treffen die typischen Kölsch‑Anekdoten und pointierten Gags in schneller Folge aufeinander. In seiner Rolle als Sitzungspräsident führt er das Publikum auf eine beinahe autobiografische Odyssee durch sein abwechslungsreiches Leben. Viele gehen davon aus, dass ein Mann seiner Statur schon immer an der Spitze stand – doch das stimmt keineswegs: Bis zu seinem fünften Lebensjahr war er lediglich zweiter Vorsitzender. Diese und zahlreiche weitere überraschende Einsichten reißt er im Verlauf seiner „kölscheligen“ Selbstreflexion hervor, während das Bier in immer größerem Abstand nachfließt.
Manche Episoden sind bereits im Nebel des Gedächtnisses verschwunden – ein klassischer Filmriss. Zum Glück existiert jedoch die alte Holztruhe, in der er sein gesamtes Lebensarchiv verwahrt, und ein paar Zeitzeugen, die ihm bei der Rekonstruktion behilflich sein können. Doch wo bleibt nun das verdammte Abschlusszeugnis? Es kann doch nicht einfach verschwunden sein!
Der Sitzungspräsident hat bereits beim Frühschoppen um 19 Uhr den ersten Schritt getan, wurde bei der Jahreshauptversammlung mit satten 104 Prozent erneut gewählt und wartet nun im Beruf auf die längst überfällige Beförderung. Nur eines fehlt ihm noch: das gefürchtete Abschlusszeugnis, das er für die Bewerbung dringend benötigt …
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In Dubio Jubilo – Im Zweifel bin ich froh!
Schütze steht für ein Klavierkabarett, das durch Frechheit, Tiefgang und erstklassige Musikalität besticht. Im kommenden Programm erwarten das Publikum ein eigens zusammengestellter Wunschzettel, originelle Geschenkideen für die ganze Familie, eine weihnachtliche Reise sowie ein unverwechselbarer Blick auf die festlichen Märkte.
Die begnadete Musikkabarettistin verbindet ihren außergewöhnlichen Wortschatz mit virtuoser Klavierbegleitung und einer ausdrucksstarken Stimme. Auf diese Weise erhalten ihre Kommentare zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen eine Durchschlagskraft, die lange nachhallt. Ihre Aussagen bleiben dabei klar und unverblümt – etwa im provokanten „Lied vom kleinen Mann“ (eine Anspielung auf Putin):
„Seit dieser Typ regiert, ist längst das Recht krepiert …“
Auf höchstem Niveau präsentiert sie ihre Texte – selbstbewusst, oft mit einem schelmischen Lächeln, musikalisch perfekt umgesetzt. Sie provozieren, rütteln wach und spalten zugleich, ohne je an Eleganz zu verlieren. Zu den behandelten Themen zählen:
- Framing – die subtile Betäubung durch Worte
- „May‑be‑Generation“ – das Zögern einer digital geprägten Jugend
- Unbehagen gegenüber Künstlicher Intelligenz
- Der „perfekte Mann“ im Holzbaumarkt – überspitzte Gesellschaftsanalyse
Ein weiteres Highlight ist ihre liebevolle Darbietung in tiefem Plattdeutsch, in der sie die norddeutsche Kultur beschreibt, gefolgt von einem mitreißenden Medley‑Klassiker am Klavier, das das Publikum zum Mitsingen einlädt.
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